Wer wir sind

„Ab sofort können Sie den neuen Komfort auf unseren Gleisen „erfahren“. Keine Stufen,
breitere Wagen und neue Anzeigen.“*

Wo ist das Problem?

Das Problem ist nicht der neue Komfort, das Problem sind nicht die breiteren, stufenlosen
Wagen, das Problem sind die höheren Fahrpreise. Diese werden jetzt für eine Sache
herangezogen, für die wir alle schon bezahlt haben, denn ein Großteil der Mittel für die
neuen Straßenbahnen und den gesamten ÖPNV kommt aus öffentlichen Kassen. Dass wir
jetzt auch noch 2 Euro für die einfache Fahrt zahlen sollen ist zu viel des Guten. Der ÖPNV ist
für uns kein Luxusgut, sondern eine Notwendigkeit, um unseren Alltag zu bewältigen. Und
da werden 2 Euro für uns zum Problem.

In erster Linie sind die Leute von der Fahrpreiserhöhung betroffen, die ohnehin schon in der
Gesellschaft marginalisiert sind und diese Leute werden jetzt auch noch vom sozialen und
politischen Leben ausgeschlossen, weil sie sich die 2 Euro einfach nicht mehr leisten können.
Für diejenigen von uns, die nicht einfach auf’s Auto umsteigen können, bedeutet das, dass
ihre Bewegungsfreiheit zur Frage des Geldbeutels wird – noch mehr als sie es ohnehin schon
war. Das macht die Frage der Fahrpreiserhöhung so dringend, dass Protest von uns
Betroffenen organisiert werden muss.

Die Fahrpreiserhöhung steht exemplarisch für viele Zumutungen, die uns alltäglich vor
Probleme stellen. Während bei zu hoher Miete oder zu niedrigem Lohn immer nur einige
von uns betroffen sind, ist es für keine_n von uns möglich den Fahrpreisen auszuweichen.
Hier wird die Zwangslage der ohnehin schon an den Rand Gedrängten schamlos ausgenutzt.
Und zwar egal, ob wir im Niedrig-/Mindestlohnsektor arbeiten, arbeitslos sind, eine schmale
Rente beziehen, Flüchtlinge sind oder noch lernen. Und weil es uns alle betrifft, entsteht hier
die Notwendigkeit, den sozialen Protest an diesem Thema zu entzünden.

Ausgehend von der Initiative „Fahrpreiserhöhung stoppen“, hat sich das Bündnis
„Straßenbahn für Alle!“ gegründet. Denn mit der symbolischen Marke von 2 Euro, wurde ein
Diskussionsprozess zwischen Basisgewerkschaftler_innen und zivilgesellschaftlichen
Organisationen und Einzelpersonen in Gang gesetzt. Ziel ist es, gemeinsame Inhalte und eine
mögliche Praxis auszuloten. Die Fahrpreiserhöhung diente den Protagonist_innen als Anlass,
ein vorübergehendes Bündnis zu bilden, welches sich mit Mobilität in der Stadt und ÖPNV im
Allgemeinen auseinandersetzt.

Als selbstorganisierter Protest versteht sich das Bündnis als Teil einer sozialen Bewegung von
unten und als Form der demokratischen Willensbildung und Teilhabe. Eben weil die
Fahrpreiserhöhung viele verschiedene gesellschaftliche Gruppen trifft, sieht sich
„Straßenbahn für Alle!“ als strömungsübergreifend und offen für breite Unterstützung.
Konsequenter Weise werden alle Organisationen und Personen, die nichtdemokratische,
rassistische, sexistische, antisemitische und/oder homophobe Haltungen und Weltbilder
vertreten, vom Bündnis und von unseren Veranstaltungen ausgeschlossen.

Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir uns nicht von den Lohnabhängigen in den
Fahrhäusern und Büros der RSAG entsolidarisieren wollen. Sie können nicht das Ziel unseres
Protestes sein, denn ohne die Mitarbeiter_innen könnte der für uns notwendige Fahrbetrieb
nicht bereitgestellt werden. Wir sind unbedingt dafür, dass die Arbeiter_innen der RSAG den
ihnen zustehenden Lohn bekommen und schätzen diesen weit höher ein, als den bisher
gezahlten Lohn. Für uns ist die Stadt, das Land, aber auch die Bundesrepublik als Ganze in der
Pflicht, für vernünftige Einkommensverhältnisse zu sorgen, aber auch für die Finanzierung des
ÖPNV entsprechend aufzukommen.

Aus dem bisher Ausgeführten ergibt sich für unser Bündnis eine Reihe von Zielsetzungen.
Erst einmal geht es uns darum, eine weitere Fahrpreiserhöhung zu stoppen, da sonst der
ÖPNV in unserer Stadt für die meisten von uns nicht mehr nutzbar ist. Des Weiteren fordern
wir die Einführung eines Sozialtickets, was seinen Namen auch verdient. Dafür wird es
notwendig sein, einen breiten Protest von unten zu organisieren, in den wir alle unseren
Protest auf die Straße, in die Straßenbahnen und in die Bürgerschaft tragen.

*Quelle: RSAG-Online

Straßenbahn für Alle!

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